Publikumspreisverleihung 2000

2000: Laudatio von Astrid Amelungse-Kurth

Impressionen Publikumspreis 2000

Publikumspreisverleihung der Jahre 2004; 2003; 2002; 2001

 

 Publikumspreis 2001 Oscars

Nach oben Verleihung des Publikumspreises 2000

"Bestechung zwecklos" so überschrieb die Süddeutsche Zeitung in Ihrer Lokalausgabe "Starnberger Neueste Nachrichten vom 31. Januar 2000 Ihren Bericht und das zurecht. Am 29. Januar 2000 wurde der Gautinger Publikumspreis im TheaterSpielRaum verliehen!

Bei jeder Vorstellung im vergangenen Jahr durften die Zuschauer bis zu 100 Punkte vergeben. Insgesamt wurden über 2000 Karten ausgefüllt, womit unsere Besucher in der Tat ein unbestechliches Urteil zu den Aufführungen abgaben.

Der Publikumspreis wurde in 3 Sparten vergeben:



Den Preis für die Sparte MUSIK erhielten:

Mischa Frischhuth und seine Wunderhörner
. Das Saxophon-Quartett mit Max von Mosch, Mischa Frischhut, Christian Schulze und Matthias Noack sowie
Mosch life.jpg (13050 bytes)als Gast die Sängerin Ursula Osswald begeisterten auch diesmal wieder unter anderem mit 2 Eigenkompositionen von Max von Mosch das Publikum.In seiner Laudatio sinnerte Ruppert Wierer über einige Musik-Größen, die als begabte Jazzmusiker ihre Karriere begannen, um dann als Ernst Mosch und seine .. oder James Last eher weniger mit Jazz berühmt zu werden. Dies zeige einerseits die möglichen Chancen für die Zukunft, Herr Wierer drückte aber doch den Wunsch und die Hoffnung aus, die Mitglieder des Saxophonquartetts mögen doch mit Jazz weiter erfolgreich bleiben!

Den Preis für die Sparte THEATER erhielten:

Netschajew Szene.jpg (13548 bytes)Alexander Netschájew und Antje Uhle für ihre Inszenierung Faust "als musikalisches Hörspiel", das sie im Rahmen der Theatertage aufgeführt hatten. Weshalb sie den Publikumspreis zu recht erhalten haben, ist in der nachfolgend zitierten Laudatio von Astrid Amelungse-Kurth auf den Punkt gebracht. Mit einem Auszug aus dem Musikalischen Hörspiel konnte sich auch das Pulikum nochmal begeistern lassen (und wer das noch nicht kennt oder die Aufführung noch mal sehen möchte, am Sonntag den 12. März morgens um 11 Uhr im TheaterSpielRaum wird das Stück noch mal aufgeführt).



Den Sonderpreis für alle Aufführungen, die nicht eindeutig der Musik oder dem Theater zuzuordnen waren erhielten:

Walter Erpf
mit dem Ensemble La Rose Rouge für ihre Revue "Die Villa am Zoo". Mit der Revue aus den "Roaring Twenties" hatte das Ensemble unser Publikum im vergangenen Jahr so bezaubert, dass es unangefochten in dieser Sparte auf dem ersten Platz landete! Auch "La Rose Rouge" spielte noch einmal Auszüge aus der Revue, der Höhepunkt für das Publikum war jedoch ein "etwas umgedichtetes" Stück der Comedian Harmonists: dem "Fünf-Uhr-Tee jeden Donnerstag im Hause Krause", womit wir endlich wissen, wie es Hans-Georg Krause immer wieder schafft interessante und bekannte Künstler für das Theaterforum zu gewinnen!
Als langjähriger Kenner von Walter Erpf führte Walter Hohenester mit seiner Laudatio "La Rose Rouge" als Preisträger ein.
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Bei dieser Gelegenheit möchten wir nicht nur unserem treuen Publikum Dank sagen sondern uns auch bei Caroline Behrendts und Sebastian Hofmüller für die gelungene Moderation des Abends sowie bei Rosemarie Zacher für die eigens für den Publikumspreis kreierten Figuren, die als "Würmtal-Oscars" den Preisträger überreicht wurden, herzlichst bedanken. Danke auch an den Starnberger Merkur und einem Gautinger Unternehmer (der nicht genannt werden wollte) für die Spende der Geldpreise.
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Nach oben Laudatio von Astrid Amelungse-Kurth für Alexander Netschájew und Antje Uhle

Welchein Wahnsinn: Da setzt sich einer auf die kleine schwarze Bühne des TheaterSpielRaums, die nur spärlich mit neun Kerzen beleuchtet ist, und rezitiert den gesamten Faust! Welch ein Wagnis: Auf alle Bilder zu verzichten und sich allein auf die Schönheit und die Macht der Sprache Goethes zu konzentrieren, und welch ein Erfolg: Ein Publikum, das über zweieinhalb Stunden gebannt lauscht, schaut und staunt und hinterher mit dem Gefühl nach Hause geht, den Faust, dieses Urgetüm deutschsprachiger Weltliteratur zum ersten Mal richtig verstanden zu haben, als das, was es ist: Ein Gedicht, eine Ballade, ein Sturm- und Drangdrama, das eine der tragischsten Liebesgeschichten erzählt, an dessen Hinrichtung Gretchens als Kindsmörderin steht!
Ich muß gestehen, als ich im Programmheft von diesem Ein-Mann-Hör-Spiel gelesen habe, bin ich davon ausgegangen, einen jener unsäglich bunten Abende zu erleben, die anläßlich des Goethejahres stattfanden. Ich erwartete einen Sampler Faust'scher Verskunst, so ein Best of Goethe, wenn auch gehobenerer Qualität, da ja schließlich Hans-Georg Krause zum Theaterfestival eingeladen hatte.
Als dann Alexander Netschájew zum ersten Monolog im Studierzimmer anhub, ahnte ich immer noch nichts davon, daß mir ein zweieinhalbstündiges Soloprogramm bevorstünde, das dem Zuschauer ein komplettes Drama zumutet. Ich weiß nicht mehr, an welcher Stelle, aber irgendwann schwante es mir - und fassungslos flüsterte ich meinem Kollegen von der Süddeutschen Zeitung ins Ohr: der wird doch nicht den ganzen Faust machen?
Naivität konnte ihn wohl nicht dazu getrieben haben, dazu hatte Alexander Netschájew, der jahrelang die Junge Bühne in Tutzing leitete als Regisseur zu viel Erfahrung. War er vielleicht größenwahnsinnig geworden? Immerhin gesellte er sich im Goethejahr zu all den aufwendigen Neuinszenierungen und behauptete frech in seinem künstlerischen Konzept, daß man den Faust ebensogut, wenn nicht besser als Hör-Spiel inszenieren könne. Und das Erstaunlichste und Wunderbare an diesem Abend war, zu erleben, wie dieses künstlerische Konzept aufging.
"Da kommen sie und fragen: welche Idee ich in meinem Faust zu verkörpern gesucht? Als ob ich das selbst wüßte und aussprechen könnte!" ist in den Gesprächen Goethes mit Eckermann nachzulesen. Also tat doch Alexander Netschájew gut daran, den Text von allem Bildungs- und Deutungsballast der letzten Jahrhunderte freizuhalten, nicht zu werten, nicht zu interpretieren und den Text einfach mal im wahrsten Sinne des Wortes in den Raum zu stellen, indem er sich hinsetzt und liest. Und da er ein uneitler Schauspieler ist, versteht er es auch, sich darstellerisch zurückzuhalten und allein lesend zu glänzen. In Sekundenschnelle schlüpft er von einer Rolle in die nächste und vertraut allein auf die Mimik und die Wandelbarkeit seiner Stimme und auf die Wucht und den Facettenreichtum Sprache. Er setzt auf die kleinen Gesten und die Phantasie des Publikums und stellt so vor dem geistigen Auge des Zuhörers lebendige Charaktere hin: den um Weisheit ringenden und zweifelnd verzweifelnden Faust, den Schlaukopf Mephisto, den betulichen Famulus Wagner oder gar das reine, hingebungsvolle Gretchen in seiner natürlichen Unschuld, Liebe und Verzweiflung.
Dramaturgische Unterstützung erfährt er allein durch ein weiteres akustisches Mittel, die Musik. "Eine passende Musik zum Faust ist ganz unmöglich", hatte Goethe behauptet, denn "das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was sie stellenweise enthalten müßte, ist der Zeit zuwider" (Gespräche mit Eckermann). Nun, Goethe kannte Antje Uhle nicht, die aus dem Flügel alles herausholt: Sphärenklänge und Frühlingszwitschern, dämonische Geister und Kirchenglocken.
Goethe wünschte sich, daß das Theater so "schmal als der Draht eines Seiltänzers" wäre, "damit sich kein Ungeschickter hinaufwage". Alexander Netschájew hat den Mut, sich auf solch ein Seil zu begeben, die Leichtigkeit mit der er in geistigen Höhen tänzelt und den nötigen Gleichgewichtssinn um mit solch einer Produktion nicht abzustürzen. Dafür hat ihn das Publikum gewählt und dazu gratulieren wir ihm!"




Nach oben Impressionen von der Verleihung des Publikumspreises 2000

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