Publikumspreis 2001 Oscars

Publikumspreisverleihung 2001

2001: Laudatio für Matthias und Claus Eberth von Sabine Zaplin

2001: Laudatio für Katja Wachter von Hans-Georg Krause

Impressionen Publikumspreis 2001


Publikumspreisverleihung der Jahre 2004; 2003; 2002; 2000







Nach oben Verleihung des Publikumspreises 2001

Am 13. Januar 2001 fand zum 2. Male die Verleihung des Publikumpreises in unserem TheaterSpielRaum statt!
Aus den fast 50 Veranstaltungen des Theaterforums Gauting im vergangenen Jahr haben Sie durch Ihre Bewertungen am Ende der jeweiligen Veranstaltung die diesjährigen Preisträger gewählt.


Die Preisträger sind:

Inge Wiesner-Bleibtreu bei der Preisübernahme für die Rubrik Musik:






Inge Wiesner-Bleibtreu (Gesamtkonzeption und Leitung), Wolf Euba (Sprecher), Wolfgang Antesberger (Tenor), Ursula Schulze (Sopran), Friederike Wagner (Sopran), Michael Mantaj (Bariton), Michael Ebert (Cembalo), Angelika Radivic ( Oboe) sowie Tom Blum (Lichtgestaltung) für ihre Aufführung "L'Amore Innocente" von Antonio Salieri













für die Rubrik Theater:
Brigitte Servatius mit Claus und Matthias Eberth">

Matthias und Claus Eberth für Ihre Lesung aus Klaus und Thomas Mann "Dr. Faustus & Mephisto"

Kaja Wachter und Brigitte Servatius und für die Rubrik Tanz:








Katja Wachter mit Ihrer Tanzformation "Selfish Shellfisch" für Ihre Aufführung "The 1-Inch difference"













Stellvertretend für die Darbietungen der Preisträger lesen Sie nachfolgend das von Claus Eberth - in Abwandlung eines Gedichts von Ringelnatz - vorgetragene Gedicht:

Claus Eberth liest sein Dankesgedicht In Gauting waren zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen:
Doch auf der Starnberger Chausee
Taten ihnen die Beinchen weh.
Da verzichteten sie weise
Auf den letzten Teil der Reise.
So landeten sie bei Herrn Krause,
Der macht im "Forum" niemals Pause,
Bot ihnen Texte von Mann zu Mann,
Die kamen beim Publikum bestens an;
Und als Lohn für des Lesens Fleiß
Gab's prompt ´vom Publikum einen Preis;
Den nehmen wir hiermit entgegen,
Herzlichen Dank und Gottes Segen!
Flugs machen sich Vater und Sohn
Mit der Trophäe auf und davon ....






Nach oben Laudatio von Sabine Zaplin für Matthias und Claus Eberth

Verehrte Preisträger, liebes Publikum,

mit Laudationes ist es folgendermaßen bestellt: Sie schweben unvermeidlich zwischen ausgelobtem Preis und geehrten Künstlern, sie sind der Übergang vorn Largo zum Shakehands; retardierendes Monent-, die Schleife am Präsent, die leicht zum Knoten werden kann - kurz: sie sind das größte Hindernis auf dem Weg zum Sekt.

Sabine Zaplin bei Ihrer Laudatio Nun können Hindernisse verschieden überwunden werden: mit Dynamit, Ignoranz oder Tricks. Versuchen wir es mit letzterem. Damit wäre dann auch in bester Zauberer-Tradition verfahren zumindest als Kind war Klaus Mann ja von den diesbezüglichen Fähigkeiten seines Vaters überzeugt. Später geriet der Ehrentitel bestenfalls zum Spitznamen, denn was für eine belastete, an Missverständnissen reiche und verquere Beziehung zwischen Vater und Sohn Mann herrschte, davon haben Claus Eberth und Matthias Eberth ein unter die Haut gehendes Bild gezeichnet. Haben den im Loben voreinander Schweigenden eine Stimme gegeben, haben "Doktor Faustus und Mephisto" miteinander ins Gespräch gebracht. Das ist Theater auf sein wichtigstes Element konzentriert: Im leeren Raum einen Planeten schaffen mit der Urknallgewalt des gesprochenen Wortes. Nur selten gelingt das derart wie bei dem heute ausgezeichneten Ereignis; gewöhnlich gibt es bunten Sternhagel oder bestenfalls eine Satellitenschüssel voll Kometensalat.
Aber das Gautinger Publikum, das ja bekannt ist für seinen erlesenen Geschmack und sein feines Gespür für Bühnenereignisse ersten Ranges - nicht zuletzt deshalb, da es in seinen Reihen nicht wenige Bühnentäter zu bezeichren hat; dieses höchst kritische Publikum hat nicht ohne Grund dem Schauspieler-Duo Claus und Matthias Eberth den heurigen Publikumspreis in der Sparte Schauspiel zuerkannt.
Matthias Eberth Denn es war tatsächlich ein Kosmos, den die beiden Künstler in den Theaterspielraum hineinzauberten; ein Kosmos, auf dem laut einer Kritikerstimme eine "bedrückende Atmosphäre" herrschte, ein Kosmos der "leisen, verhaltenen Töne", so eine andere Kritikerstimme. Er war beherrscht von einem Planeten aus Eis, darauf lebten ein ganz dem künstlerischen Lebenswerk verpflichteter, preussisch fleissiger, höchst egozentrischer und sich bis in die geheimsten Tagebuchaufzeichnungen hinein als ein Mann von öffentlichem Interesse verstehender Vater und dessen höchstbegabter, höchst zerrissener, ebenso egozentrischer wie nach Beziehungen, nach Menschen, die ihn halten gierender Sohn. Beide kreisten sie umeinander wie Trabanten eines versunkenen Sterns, Thomas und Klaus Mann, der Zauberer ohne Vaterliebe und sein Sohn, der die Geister nicht gerufen hatte, von denen niemand ihn befreien konnte. Begabt oder verflucht mit des Vaters schriftstellerischer Ader, fand doch seiten ein Werk von ihm dessen Beifall aus Vaterstolz, stieß eher auf verschwiegenen Neid, und einzig die Schönheit des Sohnes erfüllte den Vater mit einem Stolz, den die erotischen Empfindungen noch übertrafen.
All dies wurde in den neunzig Minuten Tagebuchnotizen, Briefen und Werkauszügen der beiden Schriftsteller offenbar, aus denen Vater und Sohn Eberth lasen. Und dass an dieser Stelle die verwandtschaftliche Beziehung der beiden heute geehrten Künstler erwähnt wird, stellt keineswegs den Versuch dar, Parallelen ziehen zu wollen, die nicht vorhanden sind - schließlich ist ja auch nicht jeder Faust-Darsteller ein esoterisch veranlagter Sittenstrolch - sondern ist einmal mehr Lob
Claus Eberth der künstlerischen Leistung: Verwandte sein und Kollegen bleiben ist kein leichtes Unterfangen, braucht starke Nerven und viel Taktgefühl. Von einem Familienzwist im Hause Eberth aber ist auch nach der Premiere von "Doktor Faustus und Mephisto" nichts bekannt geworden. Und so werden hier zwei Künstler geehrt, die nicht allein eine äusserst problematische Vater-Sohn-Beziehung glaubhaft und in höchstem Maße beeindruckend ausgebreitet haben, sondern zugleich mit Bravour das Wagnis gemeistert haben, sich als künstlerische Partner zu verteidigen, obwohl sie sich schon sehr viel länger als Vater und Sohn kennen.
Nun eint beide der Gautinger "Oscar' (und in wessen Vitrine er stehen wird, darüber kann augenblicklich wohl nur spekuliert werden), ein filigranes Bühnenwesen, das heute seinen zweiten Geburtstag erlebt, womöglich gerade sprechengelernt hat und nun zum zweiten mal an eine Produktion geht, die mit dem "Faust" - Stoff zu tun hat. Ob das an der von Rosemarie Zacher geschaffenen Figur liegt oder am Wesen dieses Preises, mag die Zukunft weisen. und die bestimmen Sie, liebes Publikum. Mit diesem Ausblick wäre der Weg frei zum Sekt, gäbe es nicht noch einen Preisträger und somit noch eine Laudatio. So bleibt mir vorerst nichts anderes übrig, als den Herrn Eberth herzlich zu gratulieren und das Mikrophon weiterzugehen an die Frau Servatius, die den Publikumspreis überreichen wird. Ich danke Ihnen.





Nach oben Laudatio von Hans-Georg Krause für Katja Wachter

Sie bezeichnet sich selbst als "Bewegungsforscherin". Sie geht in ihrer Arbeit der Frage nach, was ist zeitgenössischer Tanz (und vielleicht auch: warum will ihn niemand sehen?)

Niemand sehen? Die Zuschauerzahlen für Tanz steigen derzeit republikweit. Eine der bedeutenden Sprechbühnen Berlins - die Schaubühne - hat derzeit mit den Produktionen einer zeitgenössischen Choreographin - nämlich Sasha Waltz - die größten Erfolge. Diese junge Choreographen-Generation um Sasha Waltz, Meg Stuart, DV 8 und der Münchner Choreographin nehmen die Bedingungen unseres urbanen Lebens in ihr Visier. Der zeitgenössische Tanz ist vor allem ein Phänomen der Städte.
Krause bei seiner Laudatio Der Tanz ist ein zentraler Bestandteil der Popkultur, er ist Metropolenkultur. Eine tanzversessene Straßenkultur äußert sich z.B. in der Love Parade. War der zeitgenössische Tanz zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein heraustreten aus den vorgegebenen Techniken und sozialen Hierarchien, so ist es Ende der 90er Jahre die Infragestellung von individueller Identität schlechthin, die zum Thema wird.

Katja Wachter wurde gleich mit ihrer ersten Choreographie 1994 zur Tanzplattform nach Berlin eingeladen und ihr Stück "Almost" 1995 als deutscher Beitrag für eine Fünf-Länder-Tournee ausgewählt. Im gleichen Jahr gründet sie ihre eigene Kompanie "Selfish Shellfish", erhält Projektförderung durch das Münchner Kulturreferat. 1997 wurde ihr der staatliche Förderpreis für junge Künstler verliehen. 1998 produzierte sie erstmals ein Stück in den USA für Malashock Dance & Compagny; im selben Jahr gewann sie den ersten Preis beim Internationalen Choreographenwettbewerb in Hannover.
Im Jahr 2000 choreographierte sie für das bayerische Staatsballett die Burleske "Erlaubte Frucht" und war auf Einladung der Korean National University of Arts in Seoul als Gastdozentin für zeitgenössischen Tanz. Schließlich gab Sie in Gauting ein Gastspiel, - wenn das keine Steigerung ist!

Das in Gauting gezeigte Stück "The 1-Inch difference" - übrigens als deutsche Erstaufführung - wurde von der Presse einstimmig gepriesen. Im Merkur stand: "K.W. steigerte den tänzerischen Ausdruck zu einem beklemmenden Inferno der menschlichen Einsamkeit, in der kein Miteinander mehr möglich ist. Nicht umsonst benutzt sie das Bild der an sichtbaren langen Fäden festgehaltenen Tänzer, deren Bewegungsfreiraum behindert ist. Sie sind Gefangene ihrer Existenz, unfähig zu kommunizieren, miteinander in Kontakt zu treten, rennen gegen Wände und greifen aneinander vorbei.
Was übrig bleibt, ist Trauer und Sehnsucht, ein melancholisches Schlußbild, in der die Kreatürlichkeit des Menschen durch aberwitzige Bodenchoreographien dem Zuschauer beklemmend nahe gebracht wird. Das wird man nicht so schnell vergessen."
Und in der Süddeutschen: "K.W. und ihre Gruppe zeigen, was tanzen sein kann. Ein stimmiges, fast philosophisches Tanztheater über Menschen und Grenzen, die überschritten werden. Ein sich Verschlingen und Lösen, ein sich Lieben und doch Hassen. Manches ist ernst, manches komisch. Die Tänzer überzeugen. Sie spielen ihre Rollen nicht, sie tanzen sie nicht -sie sind es einfach. Ein gelungener Abschluß."
In Gauting tanzten Christiane Schauer, Andrea Sonnberger, Birgit Schneider, Eva Koch, Maria Peez und Katrin Schafitel, die wesentlich zu diesem großartigen Erlebnis beigetragen haben.

Kunst soll etwas von Emotionalität vermitteln, vom Lebenssinn, von Visionen. Erlauben Sie mir eine subjektive Beobachtung, die mir bei vielen Ballettaufführungen auffällt: in oft technisch perfekten Präsentationen, versteckt sich absolute Emotionslosigkeit. Ich fühle mich als Zuschauer nicht berührt, betroffen. Oft ist den Tänzern die Anstrengung und Anspannung im Gesicht deutlich abzulesen, im Gegensatz zu der Leichtigkeit, die sie uns Zuschauern mit ihren Sprüngen und Drehungen und manchmal hübschen Kostümen vermitteln wollen. Diese Aufführungen treffen mich nicht und berühren mich nicht.
Ausschnitt aus OmU (Orginal mit Untertitel) Diese "Rührung" - nicht im kitschigen Sinne verstanden - , auch Verärgerung, Wut, Trauer, Angst oder Schmerz können eine persönliche Betroffenheit auslösen. Die jüngste Choreographie von Katja Wachter unter dem Titel "Duett für beschädigte Tänzer" befaßt sich mit den Dauerschäden, die man sich selbst als Tänzer zufügt. Sie beschreibt den Balanceakt zwischen zwei Polen: auf der einen Seite die Angst vor der fortschreitenden Verschlechterung des körperlichen Zustandes und auf der anderen Seite der unbedingte Wunsch weiterzutanzen. Mitten in diesem Duett begann mir plötzlich nur vom Zusehen mein eigenes Knie zu schmerzen; der dargestellte Schmerz hatte sich in einer unglaublichen Intensität auf den Zuschauer übertragen. Und das ist es, wenn ich behaupte, Kunst - in diesem Falle der Tanz - soll etwas von Emotionalität vermitteln, vom Lebenssinn, von Visionen. Und dies gelingt offensichtlich Katja Wachter.

Sie erzählt Geschichten, die aber nie 1:1 bebildert sind. Sie erinnern mich an die Improvisationsarbeit von Pina Bausch, an die Lust der Körper auf Aktion, vielleicht auch auf Sinnlichkeit, denn Tanz kann sinnlicher sein als jedes noch so schöne Wort. Die für mich überraschendsten Momente sind allerdings viele kleine humorvolle und witzige Ideen, die in all ihren Arbeiten stecken die ich gesehen habe, vor allem, weil die anderswo oft fehlen. So oft ist der zeitgenössische Tanz so bodenschwer, so verkopft und so fürchterlich anstrengend. Bei Kajta Wachter habe oft ein ganz anderes Tanztheater erlebt und das hat möglicherweise das Gautinger Publikum ähnlich gesehen.

Sie werden nachher einen kleinen Ausschnitt aus Katja Wachters Arbeit sehen: nicht aus dem im Oktober gezeigten Stück, weil sie derzeit in intensiven Schlußproben steckt für die neueste Produktion "OmU", die am Mittwoch (17.1.) im Münchner Metropol-Theater Premiere haben wird. "OmU" ist eigentlich ein Stück für zwei Tänzer, einer Sängerin und einem Schauspieler. "OmU" (Original mit Untertiteln) befasst sich mit den Schwierigkeiten beim Übersetzen, insbesondere wenn es gilt, Sprache in Tanz zu übertragen und umgekehrt Bewegung in Worte zu fassen. Es tanzen Christiane Schauer und Andrea Sonnberger. Sie erleben somit eine kleine Vorpremiere.




Nach oben Impressionen von der Verleihung des Publikumspreises 2001


Die Moderatorinnen Gisela Auspurg und Carolin BerendtsMusikalische Umrahmung von Evelyn Huber-Zapf Auf der bis zur Decke schwarz ausgeschlagenen Bühne entlockte Harfinistin Evelyn Huber von "Zapfnstreich" ihrem Instrument ungewohnte Töne, verband bayerische "Landler mit KIassik, Dixie und Blues mit Traditionals.

Witzig und frisch moderierten Carolin Berendts und Gisela Auspurg vom TheaterSpielKreis um Hans-Georg Krause.



Herr Bayer bei seiner Laudatio für Inge Wiesner-Bleibtreu "Wie kommt es, dass so ein kleiner Ort eine Künstlerische Rarität wiederentdeckt und auffuhrt?", fragte Laudator Peter Baier in seiner Lobrede zur Oper. "Die in Gauting lebende Musikerin und Wissenschaftlerin Inge Wiesner-Bleibtreu hat dies ermöglicht, sie hatte das Autograph Salieris 1996 in Wien ausgegraben, das seit 1783 als verschollen galt."



Ursula Schulze, Friedericke Wagner und Wolfgang Antesberger zeigten nochmal einen Auschnitt aus Ihrer Aufführung während den Theatertagen.
Szene aus Salieris Oper: L´Amore Innocente
Noch einmal ließen sich die Gautinger von Wolf Eubas wundervollem Lesestil mitreißen Wolf Euba


Worte zu Bewegung machen: Die Choreografin Katja Wachter zeigte als Dank für die Auszeichnung sozusagen in einer Vorpremiere einen Ausschnitt aus ihrer neusten Produktion "OmU" (Original mit Untertitel), die sich mit der Schwierigkeit beim Übersetzen beschäftigt. Die Zuschauer konnten die Mühen miterleben, die es kostet einen Tisch genau nach Anleitung zusammenzusetzen.



Alle Fotos: Ingeborg Krause



________________________________________________________________


zurück